TUERKIZ: „Meyan – meine ganz persönliche Süßholzraspelei“

Bild

Meyan ist das türkische Wort für „Süßholz“. In diesem Sinne möchte ich heute ordentlich  Süßholz raspeln für ein neues, sehr apartes Café, das in meinem Kiez eröffnet hat. Die Inhaber Çiğdem und Ali sind wie ich in Deutschland aufgewachsen. Beruflich kommt das Ehepaar eigentlich aus ganz anderen Bereichen: Sie ist gelernte Mode-Designerin, er Schauspieler und Moderator. Gemeinsam haben sie im Oktober letzten Jahres ihr eigenes Konzept von einem mediterranen Café im Herzen Schönebergs umgesetzt: Das Meyan – Süßholz ist ein heller Laden mit breiten Fensterfronten, der gleichzeitig viel Wärme ausstrahlt, und in dem man sich auf Anhieb wohl fühlt.

Meyan_01

Wenn man den Laden betritt, wird sofort klar: Hier hat jemand ein sicheres Händchen für stilvolles, aber gemütliches Ambiente. Die Wände wurden bis aufs Mauerwerk aufwendig freigelegt, Holz und warme Farben geben den Ton an. An einer Wand hängen Keramikteller aus der Türkei in verschiedenen Größen und orientalischen Designs, die man übrigens auch kaufen kann. Die alten Holztische und Stühle hat das Paar selber auf Flohmärkten zusammengesucht und liebevoll restauriert, die Polster wurden farblich aufeinander abgestimmt neu bezogen. Alte Vitrinen und Kommoden stellen das farbenfrohe Geschirr perfekt in Szene.

Mittelpunkt des Ladens ist die große Vitrine, in der sich alle orientalischen Leckereien finden, die mir auf Anhieb das Wasser im Munde zusammen laufen lassen: Humus, Sarma (gefüllte Weinblätter), Dolma (gefüllte Paprikaschoten), içli Köfte (mit Hackfleisch gefüllte Bulgurklöße), Çoban salatası (Bauernsalat), Kısır (Bulgursalat), Cacık und vieles mehr. Dazu werden diverse hausgemachte Pasten angeboten, von denen mein Favorit die Ziegenkäse-Creme mit Walnüssen und Honig ist.

BildNeben diversen Frühstücksmenüs gibt es auch ein täglich wechselndes Mittagsmenü sowie eine Suppe. Alles wird frisch zubereitet und hierbei zählt Qualität, nicht Quantität: Es wird nicht nachgekocht – was im Laufe des Tages aufgegessen wurde, ist weg.  Dazu gibt es verschiedene leckere Weine aus der Türkei und auch die türkische Limonade „Yedigün“, die mich an meine Sommeraufenthalte als Kind in der Türkei erinnert. Kaufen kann man außerdem noch selbstgekochte Marmelade verschiedenster Sorten, Granatapfel-Sirup sowie diverse türkische Tees.

Bild„Wir wollten mit dem Meyan eine Wohnzimmer-Atmosphäre schaffen, in der sich jeder – egal ob Türke oder nicht – wohlfühlt“, sagt Ali. Hier gebe es ausschließlich Dinge zu essen und zu kaufen, die seiner Frau und ihm auch selber gefallen – das sei ihnen bei der Umsetzung sehr wichtig gewesen. „Wir haben nicht den Anspruch, ein rein türkisches Café zu sein. Da wir aber mit der türkischen Kultur aufgewachsen sind, fließt deren Stil natürlich auch zu einem großen Teil in unser Konzept mit ein“ erklärt mir Ali ihre Geschäftsidee. „Möbel und Dekoration findest du auch in unserem eigenen Wohnzimmer und teilweise kommen sie sogar von dort“ erzählt Ali, „wir wollten unseren ganz persönlichen Stil im Meyan zum Ausdruck bringen“.

Meyan_02

Auch ihre früheren Berufe lässt das Ehepaar insMeyan einfliessen: Es gibt bunte, orientalisch anmutende Tücher zu kaufen, die Çiğdem selbst entworfen hat, ebenso wie ausgefallene Tragetaschen. Besonders gut gefällt mir ein Modell mit rundem Boden, in dem sich eine Kuchenform gut transportieren lässt – sehr praktisch! Und seine Entertainer-Qualitäten setzt Ali gekonnt im Service ein: Immer aufmerksam, aber nie aufdringlich, bleibt er im Dialog mit seinen Gästen, die gerne wiederkommen. Das Angebot, die farbenfrohen Schalen und Trinkbecher bei Gefallen auch gleich mitnehmen zu können, kommt gut bei den Gästen an. Einem Kunden hat Ali sogar schon eine der orientalischen Lampen über der Vitrine aus der Türkei besorgt,  weil dieser so begeistert war.

Kulturelles ist ebenfalls  Teil des Konzepts: Anfang Dezember fand im Meyan eine deutsch-türkische Lesung des interkulturellen Verlagsbinooki statt, der seit 2011 sehr erfolgreich türkische Literatur in deutscher Sprache veröffentlicht. Die Verbindung ist nicht ganz zufällig: Çiğdem ist die älteste Schwester der beiden Gründerinnen von binooki. Eine Auswahl der verlegten Bücher findet sich im Laden zum Reinschauen und wer mag, kann auch gleich eins kaufen, aber – so wie alles im Meyan – ganz unaufdringlich und ohne Zwang. Die Lesung des türkischen Schriftstellers Murat Uyurkulak, die zum Teil von ihm auf türkisch und von der Übersetzerin seines Buches, Sabine Adatepe, auf deutsch gehalten wurde, hatte eine ganz tolle, eigene Atmosphäre, die mir gut gefallen hat. Solche und ähnliche Veranstaltungen wird es im Meyan in Zukunft immer wieder mal geben, wobei es keinesfalls dogmatisch türkisch sein soll – Hauptsache, es passt zum Konzept. „Wir wollten unsere künstlerischen Fähigkeiten in der Gastronomie köstlich umsetzen“ fasst Ali zum Schluss nochmal zusammen. Das ist den beiden mit dem Meyan hervorragend gelungen, denn es ist durch und durch authentisch und das Essen einfach fantastisch. Und ganz nebenbei vereinen sich hier zwei Kulturen auf sehr ungezwungene, selbstverständliche Art und Weise, alles kann, nichts muss – wer das Angebot annehmen mag, ist herzlich Willkommen!

Quelle: www.tuerkiz.wordpress.com
Foto: 1, 2, 5 Johannes Albert – 3, 4 Tuerkiz