ZITTY BERLIN: „Türkisch-Klischeefrei“

Wer sich schlecht entscheiden kann, sollte lieber nicht hungrig ins Meyan gehen. Die meisten Angebote auf der Karte setzen voraus, dass man sich sein Essen selbst zusammenstellt, und das kann dauern – zu groß ist die Auswahl an hausgemachten Vorspeisen, eingelegten Oliven, Salaten, Antipasti und Käse­sorten.

Alle anderen jedoch wird der Anblick der Vitrine, in der das alles angerichtet ist, ziemlich glücklich machen. Man kann sich einen Wunschteller mit verschiedenen Schälchen aus dem Angebot in der Vitrine bestellen (ab 4,70 Euro), Salate (ab 4,70 Euro), Suppen (3,00 Euro) oder eine der Spezialitäten, etwa Içli Köfte, zwei mit Rinderhack gefüllte Bulgur-Bouletten mit Salat und Cacık, Letzteres kennen die meisten unter dem griechischen Namen Zaziki (6,70 Euro).
Besonders lecker sind eine pikante Paste aus getrockneten Feigen und die gefüllten Weinblätter, die woanders oft nach nassem Reis und Dose schmecken. Hier sind sie warm und mit würzigem Reis gefüllt. Ziemlich göttlich sind die gefüllten Champignons, überraschend lecker ist auch der Joghurt mit Honig und Walnüssen. Tipp: Man kann hier sehr gut frühstücken, was besonders Menschen freut, die das klassische europäische Frühstück langweilig finden.
Aber Achtung, das Café ist vor allem am Wochenende oft voll, was sicher auch am Konzept liegt – denn das Meyan will mehr als nur ein weiterer türkischer Feinkostladen sein. Das auffällig gemusterte Geschirr kann man kaufen, ebenso wie Kräuter, hausgemachte Marmeladen, Granatapfelsirup und anatolische Weine. An den rohen Backsteinwänden reihen sich Bücher. Sie stammen von zeitgenössischen türkischen Autoren. So, wie die Bücher da stehen, möchte man sich gleich vor Ort reinlesen oder sie kaufen. In unregelmäßigen Abständen gibt es Lesungen.
Der Laden ist sehr durchdesignt, klare ­Formen ergeben zusammen mit orientalischen Lampen und Salzstreuern in Form dicker Schnurrbartmännchen eine ­Mischung, die irgendwie türkisch-traditionell, aber gleichzeitig auch sehr modern wirkt. ­Bezeichnenderweise gibt es an der Kasse auch Tragetaschen aus Seide zu kaufen, darauf der kokette Aufdruck: „Achtung! Klischeefreie Zone.“

Quelle: www.zitty.de – Theresa Bäuerlein
Foto: Lena Ganssmann